
WILLST DU MEINE HAND HALTEN
Geschrieben von Bert Plomp
In “Willst du meine Hand halten” erweist sich Bert Plomp erneut als Chronist des kleinen, entscheidenden Moments. Was als scheinbar ruhige Beschreibung des Alltagslebens auf der Halbinsel Dingle beginnt mit Eseln, Ponys und einem Bergpass, der ebenso atemberaubend wie gefährlich ist, entwickelt sich zu einer eindringlichen Meditation über Verantwortung, Mitmenschlichkeit und Sterblichkeit.
Plomp schreibt mit beherrschter, beinahe journalistischer Präzision. Die Conor Pass Road ist keine bloße Kulisse, sondern eine Figur: eine Straße, die Schönheit und Bedrohung in sich vereint. Die Schilderung rücksichtsloser Autofahrer und überfahrener Tiere ist mehr als eine Anklage; sie bildet einen moralischen Unterton, der die Erzählung allmählich verdunkelt. Die Empörung des Erzählers bleibt zurückhaltend und trifft gerade deshalb umso härter.
Das Herz der Geschichte liegt im Unfall des Motorradfahrers. Hier verlangsamt Plomp das Tempo und verengt den Blick. Die uralte Trockensteinmauer, sonst romantisch und pittoresk, verwandelt sich in eine schweigende Szenerie von Tod und Nähe. Die Frage des sterbenden Mannes: Willst du meine Hand halten? ist ebenso schlicht wie erschütternd. In diesem einen Satz bündelt sich alles: Angst, Einsamkeit und das zutiefst menschliche Verlangen, nicht allein zu sterben.
Michael, der Nachbar, wird kein Held im klassischen Sinn. Er kann nichts lösen, nichts retten. Seine Bedeutung liegt gerade im Nicht-Können: Er ist da, er bleibt und er hält fest. Plomp zeigt, dass Mitmenschlichkeit manchmal nicht mehr ist als Anwesenheit und dass das genügen kann.
Die Stärke dieser Erzählung liegt in ihrer Nüchternheit. Kein Pathos, keine großen Worte, sondern Bilder, die nachhallen: ein warmes Schaf auf dem Asphalt, eine Hand in einer anderen Hand, ein Blumenstrauß, der immer wieder niedergelegt wird. “Willst du meine Hand halten” ist eine eindringliche, stille Geschichte, die den Leser zur Verlangsamung und zur Reflexion zwingt. Sie bestätigt Plomps Talent, das Alltägliche ins Existenzielle kippen zu lassen, ohne je seinen sachlichen Ton zu verlieren.
Aukje Idema
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